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Illustration: DanielaEvaSchneider - stock.adobe.com

St. Martin - Träger des legendären Mantels und Grundlage für viele Bräuche

Martinus wurde ca. 316 in der römischen Provinz Pannonien als Sohn eines höheren Offiziers der römischen Armee geboren. Damit war schon besiegelt, dass Martinus, also Martin, auch Soldat werden musste. Doch erst einmal verbrachte Martin seine Kindheit und frühe Jugend auf einem Bauernhof in der Nähe der Stadt Pavia in Oberitalien. Dieser Bauernhof wurde von seinem Vater nach Ende seiner Dienstzeit bewirtschaftet. Dort kam Martin auch das erste Mal mit den Christen in Kontakt.

Im Alter von 15 Jahren wurde Martin für den Militärdienst verpflichtet und zur Leibwache des Kaisers Konstantin II nach Mailand eingezogen. Ein paar Jahre später war er als Reitersoldat der Kaiserlichen Garde in Amiens stationiert und später auch in Germanien eingesetzt. Während dieser Zeit kam es wohl auch zur berühmten Mantelteilung. Beim Verlassen einer Stadt traf Martin auf einen armen Mann. Im Gegensatz zu den anderen Soldaten ritt Martin nicht einfach weiter, sondern teilte seinen Militärmantel und gab eine Hälfte dem armen Mann.

Wegen seiner christlichen Gesinnung bat Martin um frühzeitige Entlassung aus dem Militär. Dies wurde ihm verwehrt und so musste Martin bis zu seinem 40. Lebensjahr Soldat bleiben. Aber im Alter von 35 Jahren ließ Martin sich taufen. Nach seinem Militärdienst lernte Martin zunächst beim Bischof von Poitiers. Im Anschluss an ein kurzes Leben als Einsiedler gründete Martin in Ligugé das erste Kloster.

Zum Bischof geweiht wurde Martin von Tours im Alter von 54 Jahren. Seine Mission der Christianisierung setzte er fort und war viel in seinem Bistum unterwegs. Überall gründete er Kirchen und Klöster, ließ aber zugleich heidnische Kultstätten zerstören.

Am 08.11 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren auf einer Visite in Candes, einer Stadt seines Bistums. Am 11. November wurde Martin in Tours unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. 200 Jahre später war Martins Mantel zur Reichsreliquie und er selbst zum Heiligen der Franken aufgestiegen.

Die Bräuche, die sich um Martins Beisetzungstag, den 11. November, rankten, waren zunächst eher bäuerlicher Natur. So wurde z. B. in der Nacht vor dem Adventfasten am 11. November um ein Feuer getanzt und gefeiert. Überzähliges Geflügel wurde vor dem Winter geschlachtet und verzehrt (daher wahrscheinlich die Martinsgans heute). Kinder und Jugendliche sammelten in der Nachbarschaft Holz für das Feuer und erhielten Gebäck, welches im Fett der Schlachttiere vorher ausgebacken wurde (heute gibt es oft Krapfen als Fettgebäck). Ein huckepacktragendes Kind verkörperte das Martinsmännlein.

Erst vor 150 Jahren organisierten Pfarrer und Lehrer geordnete Laternenumzüge, damit die Kinder nicht einfach mit brennenden Fackeln an den Haustüren um Süßes bettelten. Zu den Laternenumzügen wurden fromme Lieder zu Ehren des Heiligen St. Martin gesungen. Erst 50 Jahre später ritt ein Mensch, der den Heiligen St. Martin spielte, auf einem Pferd, zu dem die Kinder aufschauen mussten, voran.

In Europa blieben die alten Bräuche teils erhalten oder sie entwickelten sich weiter. So z.B. in den südlichen Regionen Europas, wo St. Martin den jungen Wein bringt. Oder in Portugal, wo zum Martinfest Kastanien geröstet werden. Nach wie vor weit verbreitet ist es, an vorwinterlichen Feuern zu sitzen, zu tanzen und zu feiern. Seit 2018 ist die Rheinische Martinstradition Immaterialles Kulturerbe (UNESCO) des Landes Nordrhein-Westfalen.

Daniela Knittel