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Nachruf: Pfarrer Gregor Stepkes

Am 31. Mai 2024 ist Pfarrer Gregor Stepkes im Seniorenheim Haus Effata in Blankenheim im Alter von 95 Jahren verstorben. Von 1968 bis 1993 war er Pfarrer von St. Joseph in Viersen. Wie ein roter Faden zieht sich durch sein langes priesterliches Wirken der Begriff der Liebe Gottes. Sie war das erkenntnisleitende Motiv seiner pastoralen Tätigkeit. Exemplarisch seien einige Stationen aus seinem Leben herausgegriffen, an denen dies deutlich wird.

Todesanzeige Gregor StepkesRückblickend beschreibt Pfarrer Stepkes eine Begebenheit aus dem Jahre 1949. Mit drei Freunden hatte er eine schwierige Bergtour unternommen und ohne die passende Ausrüstung die Zugspitze bestiegen. Trotz aller Widrigkeiten erreichten sie den Gipfel und wurden von der Bergwacht wenig freundlich empfangen. Diese Bergtour verglich Pfarrer Stepkes später mit seiner Priesterweihe. Er schreibt: „Die Sonne, auf die ich mich verlassen habe, ist die Liebe Gottes. Ich habe sie in meinem Leben als Freundschaft erfahren, als eine tiefe, tragfähige Bindung an Christus im Sakrament des Altares. Seine Nähe vor allem im Tabernakel hat mir immer Heimat und Geborgenheit vermittelt. Manchmal denke ich, dass mein Leben an einem seidenen Faden hängt. Aber nicht die Liebe Gottes ist der seidene Faden, sondern mein schwaches Vertrauen und die Angst, mich an das Seil zu hängen, das mich trägt.“

Zum hundertjährigen Jubiläum von St. Joseph am 17.11.1991 schrieb er: „100 Jahre haben Menschen unserer Pfarre an die Liebe Gottes geglaubt und auch in den dunklen Zeiten an diesem Glauben festgehalten. Auch unsere Gemeinde ist ein sichtbares Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. In unserer Gemeinde St. Joseph hat sich die Partnerschaft Gottes mit den Menschen als zuverlässig erwiesen. Und das ist Gottes Erwartung an uns, dass auch wir zuverlässige Zeugen seiner Liebe sind.“

Als am 19.02.1993 die Kirchturmspitze mit dem Kreuz durch Blitzschlag schwer beschädigt wurde, ging es für Pfarrer Stepkes nicht in erster Linie um Versicherungsfragen oder Kosten der Renovierung. Vielmehr war sein Kommentar: „Der Blitzschlag und der Brand im Kirchturm haben uns neu bewusst gemacht, dass wir Menschen nur Bruchstücke sind, wenn Gott nicht das Ganze schenkt. Aber so, wie wir auch erfahren haben, dass Gottes Liebe uns schützt und trägt, so brauchen wir nicht mutlos zu werden. Wir sollen wissen, dass wir in einem zerbrechlichen Gefäß einen kostbaren Schatz haben. Nicht das Gefäß, sondern der Schatz ist die Fülle.“

Am 24. Dezember 1984 beging die Pfarre St. Joseph den Heiligen Abend. Im Rohbau des Maximilian-Kolbe-Hauses stieß man auf zwei Obdachlose. Das war der Anlass, sich für obdachlose Menschen einzusetzen. Unter dem Vorsitz von Pfarrer Stepkes gründete sich der Verein MOWO – Menschen ohne Wohnung, der noch heute besteht. Und bis heute leistet MOWO einen wichtigen sozialen Beitrag, indem Menschen mit ihren unterschiedlichen Biographien und Brüchen aufgefangen werden und ihnen ein Leben in Würde mitten in Viersen ermöglicht wird.

In der Amtszeit von Pfarrer Stepkes fand die Umgestaltung der Josephskirche Anfang der siebziger Jahre nach dem II. Vatikanum statt, wobei der Verlust der neugotischen Kanzel und der Seitenaltäre sowie weiterer Ausstattungen von der Gemeinde bedauert wurde.

Neben dem bereits erwähnten Maximilian-Kolbe-Haus entstand unter seiner Leitung an der Gladbacher Straße das Papst-Johannes-Zentrum an der Stelle, an der sich heute eine Wohnanlage und eine Kindertagesstätte befinden.

Die letzten Jahre verbrachte Pfarrer Stepkes im Seniorenheim Haus Effata in Blankenheim. Trotz seiner äußerlichen Gebrechlichkeit strahlte er Zuversicht und ein tiefes Vertrauen in Gott aus. Dabei beschäftigte ihn die momentane Krise der Kirche – hervorgerufen durch den Missbrauchsskandal – sehr. Ihm war es ein Anliegen, neben den Tätern den Blick auch auf die große Mehrheit der Priester zu lenken, die ihren so wichtigen Dienst in großer Verantwortung versehen. Dazu wollte er noch etwas schreiben. Leider ist es dazu nicht mehr gekommen.

Christoph Reiners