
Taizé: Ein Ort, an dem Jugendliche aus aller Welt gemeinsam singen, leben und Glauben entdecken
Tief bewegend ist es, wenn hunderte Kerzen samstagsabends in der großen Kirche von Taizé von Jugendlichen aus aller Welt in der Hand gehalten werden und das Licht sich langsam ausbreitet, während alle gemeinsam singen. Die Lichterfeier ist eines der Highlights einer Woche in Taizé, aber bei weitem nicht das einzige.
Daran erinnert sich auch Vivien Bretz gerne. Sie ist angehende Seelsorgerin im Bistum Aachen und war in der Karwoche 2025 zum ersten Mal aus Betreuerin mit einer Firmgruppe aus Krefeld dort. "Allen Jugendlichen hat die Woche total gut gefallen", erinnert sich die 28-Jährige. "Sogar einige, die im Jahr vorher gefirmt worden sind und den Ort kannten, sind freiwillig noch einmal mitgefahren."
Über das ganze Jahr hinweg kommen in dem kleinen Ort im Osten Frankreichs, nicht weit von Cluny entfernt, Gruppen von jungen Menschen aus Europa und weit darüber hinaus zusammen, um miteinander um miteinander zu arbeiten, zu beten und zu singen und um über das zu sprechen, was sie bewegt.
Seit über 80 Jahren ist das mittlerweile so. Im Jahr 1942, also mitten im Zweiten Weltkrieg, gründete der Schweizer Roger Schutz dort eine Gemeinschaft von Christen verschiedener Konfessionen.
Seit den 1960er Jahren kamen zunehmend Jugendliche für einige Zeit an diesen Ort. Taizé wurde zu dem, was es heute ist: ein Glaubenstreffen von Menschen zwischen 15 und 35 Jahren, geprägt durch das gemeinsame Leben und Beten sowie die weltberühmten Taizé-Gesänge.
Und das hat sich über all die Jahre erhalten, obwohl oder gerade weil die Unterkünfte nicht den heutigen Hotelstandards entsprechen. Geschlafen wird in Holzbaracken mit bis zu sechs Personen oder in mitgebrachten Zelten. Die Mahlzeiten werden gemeinsam im Freien eingenommen. Lange schlangen bilden sich dreimal täglich vor den Essensausgaben, an denen die Plastikschalen mit Essen gefüllt werden. Besonders Hungrige bekommen aber auch einen Nachschlag.
Jeder, der in Taizé eine Woche verbringt muss eine Aufgabe übernehmen. Das reicht von der Essensausgabe und dem Spüldienst über das Mitsingen im Chor bis zur Reinigung der Toiletten. Vivien Bretz hat als Betreuerin eine Katechese-Gruppe übernommen. Denn auch das ist der Gemeinschaft von Taizé wichtig. Die Jugendlichen sollen mit der Bibel in Kontakt kommen und darüber sprechen, was die Texte für sie heute bedeuten. Ein bis zwei Stunden täglich sind dafür eingeplant. "Darauf haben sich die meisten von uns gut eingelassen", erinnert sich Bretz. Gerahmt wird der Tagesablauf von drei Gebetszeiten in der großen Kirche am Morgen, am Mittag und am Abend. Viel gesungen wird dabei, aber auch ein kurzer Bibeltext und eine längere Stille gehören dazu. Abends bleiben etliche Menschen dann noch lange sitzen, genießen die besondere Atmosphäre oder nutzen die Gelegenheit, um mit einem der Brüder zu sprechen oder bei einem der Priester zu beichten. Neben dem getakteten Tagesablauf bleibt aber viel Zeit, um Kontakte mit Gleichaltrigen zu knüpfen.
Vivien Bretz wurde in der Atmosphäre von Taizé neu spürbar, wie einfach Glaube sein kann: "Gemeinsam singen, gemeinsam schweigen und darauf vertrauen, dass Gott mitten unter uns ist. Dort wird erfahrbar, dass dieser Glaube Menschen über Sprachen und Grenzen hinweg verbindet."
Wer selbst einmal die besondere Atmosphäre von Taizé kennnenlernen möchte, kann dafür ein Angebot des Fachbereichs Kirchliche Jugendarbei Krefeld und Kempen-Viersen nutzen. Dieser bietet für Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren folgende Taizé-Fahrten an:
- 18. Juli-2. August.: hin mit Rad, zurück mit Bus – Kosten: 330 €
- 26. Juli-2. August: hin und zurück mit dem Bus – Kosten: 180 €
Infos und Anmeldung: https://wirsindkja.de/aktuelles/news/artikel/Taize-2026/
Andreas Hahne
