• Foto: BHDS Viersen-Mitte

Wer sind die Schützen – ein Streifzug durch die Zeit

Die Wurzeln der Schützenbruderschaften reichen bis ins Mittelalter zurück. Sie entstanden zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert zum Schutz von Höfen und Siedlungen. In diese Zeit fällt auch das Gründungsjahr 1412 der Kaiser-Karl + St. Sebastianus- Bruderschaft Viersen-Noppdorf. Da Viersen im Gegensatz zu Dülken und Süchteln nicht befestigt war, kam den Schützen für die alten Honschaften Dorf (rund um St. Remigius), Rintgen (rund um den Gereonsplatz), Helenabrunn mit Ummer und Heimer, Hamm, Hoser mit Bockert sowie Beberich in den Anfängen die Verteidigungsrolle zu.

Neben der weltlichen Obrigkeit griff auch die Kirche bei ihren Veranstaltungen auf die Vorläufer der Bruderschaften zurück, ob beim Abhalten ihrer Prozessionen oder bei den Ordnungsdiensten während der Gottesdienste. Überliefert ist etwa, dass die Schützen der St. Matthias- Bruderschaft Hamm einem Versuch reformierter Christen, den katholischen Gottesdienst in der Remigiuskirche zu unterbrechen, erfolgreich entgegentraten – damals blanker Ernst.

Ab dem 17. Jahrhundert verloren die Schützenvereinigungen ihre militärische Bedeutung an bezahlte Söldner. Die Schützenbruderschaften orientierten sich mehr Richtung Kirche und konzentrierten sich auf religiöse und karitative Aspekte. Ab dem 18. Jahrhundert stellten die Schützen ihre Vereine unter das Patronat Heiliger; zum jeweiligen Gedenktag wurde ein Patrozinium gefeiert, aus dem sich das heute mehrtägige Schützen- und Heimatfest herausbildete.

Seit dem 19. Jahrhundert kann die Entwicklung der Bruderschaften hin zu religiösen und karitativen Vereinen als als abgeschlossen betrachtet werden. Im späten 19. Jahrhundert setzte sich schließlich auch der bekannte Leitspruch „Für Glaube, Sitte und Heimat“ durch.

Im Jahr 1925 bündelten die Viersener Schützenbruderschaften ihre Interessen und gründeten den heutigen Bezirksverband Viersen-Mitte. Als einer der ältesten Bezirksverbände überhaupt war er Vorbild für die Gründung des heutigen Bundesverbandes im Jahr 1928. Die Zeit der Nazidiktatur wurde auch den Schützenbruderschaften beinahe zum Verhängnis. Da die Nationalsozialisten jegliche Aktivitäten kirchlicher Vereinigungen verboten, kam das Bruderschaftsleben in Viersen ab dem Jahr 1936 zum Erliegen. Über zehn Jahre ruhte es, ehe es Ende der 40er Jahre langsam wieder auflebte.

Heute hat der Bezirksverband Viersen- Mitte elf Mitgliedsbruderschaften mit ca. 1.600 Mitgliedern, davon etwa 200 Schützenjugendliche. Während er in den einzelnen Sektionen und Bezirken (Bockert, Hamm, Helenabrunn mit Heimer und Ummer, Hoser, Krefelder Straße, Niers-Grenzweg, Oberbeberich, Rahser, Unterbeberich) aktiv ist, ist die heutige Innenstadt leider zur bruderschaftlichen Diaspora geworden.

Neben den Schützenbruderschaften, die sich zum Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) zusammengeschlossen haben, gibt es weitere Schützenverbände, unter anderem den Deutschen Schützenbund. Dieser konzentriert sich im Gegensatz zu den historischen Schützen hauptsächlich auf den Schießsport.

Text: Hans-Willi Pergens