
Zurück im Alltag: Was der Jahreskreis bedeutet und warum es darin keinen 1. Sonntag gibt
Alle Jahre wieder kommt entsprechend einem bekannten Weihnachtslied das Christuskind auf die Erde nieder. Ob das theologisch so vertretbar ist, wäre noch einmal zu diskutieren, klar ist aber: Die meisten kirchlichen Feste wiederholen sich im Rhythmus eines Jahres. Doch älter als die jährliche Wiederkehr ist im Christentum die wöchentliche, denn zunächst wurde der Sonntag als kleines Osterfest gefeiert. Mit dem Beginn einer neuen Woche wurde also immer wieder die Auferstehung Jesu gefeiert – und so ist es auch heute noch, selbst wenn das häufig nicht mehr so bewusst wahrgenommen wird. Aber im Hochgebet heißt es beispielsweise sonntags: "Deshalb feiern wir den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus, von den Toten erstanden ist."
Erste Jährliche Feste: Märtyrerfeste, Ostern und schließlich Weihnachten
Jährliche Feste gab es aber auch schon früh: Zunächst die Todestage von Märtyrerinnen und Märtyrern, an denen sich die Gemeinden um das Grab versammelten und so den Geburtstag der Heiligen im Himmel feierten. An den Grabstätten entstanden häufig dann auch die ersten Kirchen. Als erstes großes jährliches Fest, was für die gesamte Kirche Bedeutung hatte, entstand Ostern in den ersten Jahrhunderten, auch wenn um das richtige Datum noch eine Weile gerungen wurde. Einige Zeit später wurde auch das Geburtsfest Jesu, also Weihnachten, gefeiert. Um diese beiden wichtigsten Feste des christlichen Glaubens, also die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus sowie seinen Tod und seine Auferstehung, entstanden dann Zeiten, in denen sich die Gläubigen auf dieses Fest vorbereiteten bzw. in denen sie das große Fest noch über einen längeren Zeitraum auskosten konnten. Um Ostern herum entstand so der Osterfestkreis, der aus der etwa 40-tägigen Fastenzeit ab Aschermittwoch und der 50-tägigen Osterzeit bis Pfingsten besteht. In den Tagen um das Weihnachtsfest entstand entsprechend der Weihnachtsfestkreis. Heute beginnt er mit dem ersten Advent und endet mit dem ersten Sonntag nach dem Hochfest Verkündigung des Herrn, was als Taufe des Herrn gefeiert wird.
Der Jahreskreis holt den Glauben in den Alltag
Grob gerechnet fallen also knapp 20 Wochen des Jahres in den Weihnachts- oder den Osterfestkreis. Die übrigen Wochen des Jahres werden als Jahreskreis bezeichnet. 33 oder 34 Sonntage fallen in diese Zeit. Sie bildet so etwas wie den Alltag im Glauben. Dieser Alltag ist in den Messen vor allem daran zu erkennen, dass die biblischen Lesungen, besonders die Evangelien, abschnittsweise in chronologischer Reihenfolge gelesen werden. Dadurch soll sich entfalten, wie das Wirken Jesu auch den Alltag von Menschen heute berührt. Gott wirkt in der Welt nicht nur in den großen Höhen und Tiefen des Lebens, sondern meistens im ganz Gewöhnlichen. Die Gottesdienste sind in dieser Zeit weder besonders schlicht wie in der Advents- und Fastenzeit, noch besonders feierlich wie in der Weihnachts- und Osterzeit. Die liturgische Farbe ist grün als Farbe der Hoffnung, die den Glauben trägt. Ausgenommen von diesem Alltag sind große Feste, die wesentliche Aspekte des christlichen Glaubens betonen wie etwa Fronleichnam, Peter und Paul, Mariä Aufnahme in den Himmel ("Mariä Himmelfahrt") oder Allerheiligen.
Und warum gibt es jetzt keinen 1. Sonntag im Jahreskreis?
Dass es keinen ersten Sonntag im Jahreskreis gibt, hängt mit dem Ende der Weihnachtszeit zusammen. Wie oben erwähnt, endet sie mit einem Sonntag: der Taufe des Herrn. Der Jahreskreis beginnt also mit einem Montag. Wenn diese erste Woche mit dem Samstag endet (dem ersten Samstag im Jahreskreis), beginnt die zweite Woche -- und die startet mit dem zweiten Sonntag im Jahreskreis.
Eine weitere Besonderheit am Ende der Osterzeit gibt es außerdem nur in Deutschland: Der Pfingstmontag wird nämlich nur hier begangen. Weltweit wird an diesem Montag der Jahreskreis fortgesetzt, und zwar da, wo er vor dem Aschermittwoch unterbrochen worden war.
Dieser wiederkehrende Kreislauf kann als ein Ablauf betrachtet werden, in dem sich dasselbe immer wiederholt. Er kann aber auch verstanden werden als eine weitere Runde auf dem Weg zu Gott, nach der man feststellen kann, was sich seit dem letzten Durchlauf schon alles verändert hat.
Andreas Hahne
