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  • Foto: St. Matthias Wallfarhtsbruderschaft

Eindrücke von der Pilgerradtour Viersen-Helenabrunn - Trier 2019

Wie in jedem Jahr machten sich auch 2019 insgesamt vier Pilgergruppen -- zwei Gruppen mit dem Fahrrad, eine Gruppe zu Fuß und eine mit dem Bus -- auf den Weg zum Grab des Apostels Matthias in Trier. Ich möchte hier nun einige der zahlreichen Eindrücke und Erlebnisse wiedergeben, die ich als Erstpilger während dieser zehn Tage gesammelt habe.

Vor dem gemeinsamen Aussendungsgottesdienst in der Kirche St. Helena, zelebriert von Pfarrer Klaus Grafe, traf sich unsere elfköpfige Radpilgergruppe an Christi Himmelfahrt pünktlich um 08:00 am Matthias-Bildstock in Viersen-Hamm, um zusammen mit zahlreichen Freunden die erste Andacht der Wallfahrt abzuhalten. Nach dem Aussendungsgottesdienst und dem herzlichen Abschied von den Daheimgebliebenen, machten wir uns auf in Richtung Erftstadt zu unserer ersten Unterkunft, insgesamt ca. 80 km. Der Weg führte zunächst an der Niers entlang, später durch Felder und Wiesen, über Autobahnbrücken, vorbei an Verkehrübungs- und Segelflugplätzen.

Die zweite Tagesetappe führte uns von Erfstadt zur Wasserscheide von Erft und Ahr. Den ersten Höhepunkt des Tages bildete ein Besuch in der Bruder-Klaus-Kapelle (errichtet 2005-2007) bei Mechernich. Hier wurden die beiden Erstpilger offiziell in die Bruderschaft aufgenommen. Von dort aus ging es für eine ausgedehnte Rast nach Bad Münstereifel, bevor wir nach einem durchaus anstrengenden Endspurt bergauf unsere Unterkunft erreichten.

Das dritte Tagesziel war Stadtkyll. So schweißtreibend der zweite Tag aufgehört hatte, so leicht begann der dritte mit einer Strecke über ca. 8 km bergab, so dass man eher darauf achten musste, nicht zu schnell zu werden. Nachdem wir die Grenze zu Rheinland-Pfalz überquert hatten, ging es ein Stück an der Ahr mit ihrem kleinen Wasserfall, später an der Kyll entlang. Nach einer Mittagspause in Hillesheim trafen wir auf eine Fußpilgergruppe aus Kleinenbroich, die man im Jahr zuvor mehr oder weniger zufällig getroffen hatte. In diesem Jahr war dieses Treffen dann weniger zufällig.

Der vierte Tag, an dem wir unsere letzte Station vor Trier in Auw erreichten, sollte der härteste der Tour werden. Zunächst begann er deutlich früher als sonst (Abfahrt um 06:30 Uhr), um rechtzeitig zur gemeinsamen Pilgermesse mit den anderen Viersener Pilgergruppen, außer den Buspilgern, die erst am nächsten Tag aufbrechen sollten, in Lissendorf zu sein, das etwa 10 km von Stadtkyll entfernt liegt. Nach der Messe und der gemeinsamen Statio wurden alle von den Fußpilgern zu einem gemeinsamen Frühstück mit selbstgebackenem Brot und frischem Kaffee eingeladen. Anschließend ging es weiter über Gerolstein mit mehreren kleinen Halten an den dortigen Mineral- und Heilquellen nach Kyllburg. Nach der Mittagspause im dortigen Bahnhof folgte dann eine sehr lange und steile Strecke bergauf, auf der die beiden Pilger, die ohne elektrische Unterstützung unterwegs waren, vorübergehend zu Fuß-pilgern wurden, auch aufgrund des warmen Wetters. Ziemlich erschöpft, aber glücklich, die Strapaze gemeistert zu haben, erreichten wir schließlich nach etwa 85 gefahrenen Kilometern unsere Unterkunft.

Am fünften Tag erreichten wir Trier, das Ziel unserer Pilgerfahrt. Nach einer Morgenandacht in der Kapelle in Auw führte uns die recht moderate Strecke nach Trier, da der Kyllradweg ab Kordel gesperrt war, ein Stück entlang der Landstraße nach Ehrang und von dort nach Pfalzel zu unserer Unterkunft. Nachdem wir hier die Zimmer bezogen hatten, fuhren wir gemeinsam in die Innenstadt von Trier, wo jeder einige Stunden Freizeit verbringen konnte, bevor wir uns zur Matthias-Basilika aufmachten. Hier wurden wir bereits von den Buspilgern, die auch unsere Bruderschaftsfahne mitgebracht hatten, erwartet. Mit der Fahne gingen wir dann den Fußpilgern ein Stück entgegen, um dann gemeinsam mit allen Pilgern feierlich in die Basilika einzuziehen. Nach der Verehrung der Matthias-Memoria im Herzen der Basilika fand eine kurze Andacht statt, in der besonders die Erstpilger, sowie die Jubiläumspilger, die also zum 10. Mal nach Trier gepilgert sind, geehrt. Nach der Andacht begaben sich alle zum Abendessen in ihre Unterkünfte, bevor man sich gegen 20:30 noch einmal für die Lichterprozession, die mit dem Komplet aller Mönche der Benediktinerabtei St. Matthias ihren Abschluss finden sollte, zur Basilika begab.

Der sechste Tag begann mit dem feierlichen Pilgerhochamt für mehrere Matthiasbruderschaften vom Niederrhein in der Basilika. Zusammen mit den Pilgern aus Waldniel wurde im Anschluss an das Hochamt eine gemeinsame Meditation in der Krypta abgehalten, danach folgte eine Kreuzweg-betrachtung im Klostergarten, bevor es nach einem Besuch des Klosterladens zum gemeinsamen Mittagessen ging. Gut gestärkt machte sich nun wieder jede Pilgergruppe für sich auf den Weg Richtung Heimat, das heißt für uns ging es zunächst zurück nach Auw. Der Weg war, wie schon erwähnt, nicht sehr weit und verlief ohne besondere Vorkommnisse. Nur die gesamte Stimmung war bei allen, nun, da es wieder gen Heimat ging und man das Ziel erreicht hatte, merklich ruhiger als auf der Hinfahrt.

In der Bibel heißt es “Am siebten Tage sollst du ruh’n”, was wir jedoch nicht befolgen konnten. Am siebten Tag führte uns der Weg von Auw nach Birresborn, im Wesentlichen die entgegengesetzte Strecke vom vierten Tag (nur etwas kürzer). Wegen der Sperrung des Kyllradweges war es zwischenzeitlich nicht ganz einfach, den Weg zu finden, aber es gelang unserem “Pfadfinder” uns ohne größere Umwege zum Ziel zu lotsen. Unterwegs kam es zum dramatischsten Zwischenfall der Fahrt: Ein Mann aus einer niederländischen Pilgergruppe, die uns entgegenkam, war mit seinem Fahrrad an einem steilen Hang in ein Gestrüpp aus Brombeersträuchern gefallen und konnte sich aus eigener Kraft nicht daraus befreien. Mit vereinten Kräften gelang es uns, ihm wieder auf die Beine zu helfen. Zum Glück war er, von zahlreichen Schrammen abgesehen, unverletzt und jeder konnte seinen Weg fortsetzen. Mit einer Mittagspause im Klostergarten von St. Thomas erreichten wir unser Tagesziel Birresborn, wo einige noch die dortigen Eishöhlen besichtigten.

Am achten Tag war es deutlich kühler als an den Tagen zuvor, was aber nach der Hitze der vorigen Tage recht angenehm war. Von einem zum Glück wieder glimpflichen Sturz in der Nähe der Linden-quelle abgesehen verlief die Fahrt sehr ruhig, jedenfalls bis zu den letzten ca. 8 km. Diese führten uns, zwar nicht sehr steil, aber ohne Unterbrechung, bergauf wieder zur Wasserscheide. Es sei soviel gesagt, dass die Strecke auf der Hinfahrt, als es bergab ging, deutlich weniger anstrengend zu fahren war.

Die vorletzte Tagesetappe führte uns von der Wasserscheide über Bad Münstereifel wieder nach Erftstadt. Unterwegs machten wir unter anderem Stationen an der Michaelskapelle auf dem Michelsberg und am “Decken Tönnes”, einem kleinen Heiligenhäuschen, das dem heiligen Antonius von Ägypten geweiht ist. Nach einigen Stunden Freizeit in Bad Münstereifel gerieten die letzten Kilometer bis zum Hotel zu einem Wettrennen gegen das aufziehende Gewitter, dem wir jedoch (wenigstens beinahe) entkamen.

Auf der letzten Etappe von Erftstadt nach Viersen meinte es das Wetter im Wesentlichen immer noch recht gut mit uns. Zwar war es bedeckt und wieder kühl, aber trocken und wir hatten fast den ganzen Tag Rückenwind, wodurch wir zügig voran kamen. Es war geplant, unterwegs im Burgcafé in Paffendorf eine kleine Stärkung in Form von heißen Getränken einzunehmen, was jedoch wegen einer geschlossenen Gesellschaft nicht ging. Stattdessen wurden wir von einer netten Anwohnerin in ihre gute Stube zu Kaffee und Tee eingeladen, so dass wir uns doch gut aufgewärmt auf die letzten Kilometer aufmachen konnten. Wir kamen pünktlich um 16:00 wieder an den Anfangspunkt der Pilgerfahrt, dem Matthias-Bildstock im Hamm, wo wir bereits von vielen Freunden und Familienmitgliedern erwartet wurden.

Am darauffolgenden Tag erwarteten wir auch die Fußpilger zurück, die eine Abordnung der Radpilger am Friedhof in Mönchengladbach empfing, um gemeinsam zu Fuß zur Abschlussandacht zur Kirche nach Helenabrunn zu ziehen. An der Kreuzung Kölnische Straße – Helenenstraße wurden wir herzlich von Pfarrer Klugmann, einer Abordnung der St. Matthias Schützenbruderschaft, sowie zahlreichen Gemeindemitgliedern empfangen. Mit einem gemütlichen Beisammensein in der Dorfschenke im Anschluss an die Andacht klang dann die Trierwallfahrt 2019 aus.

Michael H. Mertens