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Das Matthiasostensorium aus dem Jahr 1880. Foto: Michael Gitmans

Reliquien - Die Verbindung zu Heiligen über den Tod hinaus

Manche Orte sind bis heute für ihre Reliquien berühmt. So etwa Santiago de Compostela mit den Gebeinen des Apostels Jakobus, Trier mit dem Grab des Apostels Matthias und natürlich dem Heiligen Rock Jesu. Auch in Aachen werden bei der Heiligtumsfahrt alle sieben Jahre Kleidungsstücke verehrt, die Maria, Johannes der Täufer oder Jesus selbst getragen haben sollen. Viele andere Reliquien haben über die Jahrhunderte an Bedeutung verloren. In einer Hochphase der Verehrung im Mittelalter wurde daraus für viele Städte und Einzelpersonen ein gewinnbringendes Geschäft mit nicht selten übertriebenen Auswüchsen und fast schon magischen Erwartungen. Auch bei uns in Viersen gibt es zahlreiche Reliquien, die wir in einer kleinen Reihe vorstellen möchten.

In jedem Altar befinden sich solche sterblichen Überreste von Heiligen. Meist sind es Knochen, es können aber auch Kleidungsstücke sein, die Heilige getragen haben. Das entspricht einer alten Tradition, nach der Gemeinden sich früh um die Gräber von Märtyrern versammelt haben. Dort entstanden auch die ersten Kirchengebäude, so etwa die Peterskirche in Rom über dem Grab des Apostels Petrus. Damit wird auch eine materielle Verbindung mit Heiligen über den Tod hinaus deutlich: mit der Gemeinschaft der Heiligen, die in jeder Messe betont wird.

Mit Reliquien werden auch immer wieder Wunderberichte verbunden. Dahinter steht die Vorstellung, dass Heilige bereits bei Gott vollendet sind und durch diese besondere Nähe zu Gott Fürbitte für die Anliegen der Menschen einlegen können. Martin Luther und andere Reformatoren haben daran – neben der ausufernden Praxis ihrer Zeit – kritisiert, dass Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen sei. Weitere Fürsprecher brauche es nicht.

Dennoch ist es wohl ein menschliches Bedürfnis, etwas Greifbares von Personen zu haben, mit denen man sich identifizieren kann, die man als Vorbild betrachten kann und denen man eine besondere Nähe zum Heiligen nachsagt. Die Tatsache, dass über Jahrhunderte hinweg Menschen zu derselben Reliquie mit ihren Sorgen und Hoffnungen gekommen sind, die wir heute verehren, kann zudem eine starke Verbindung von Gläubigen über alle Zeiten hinweg darstellen und auch in die Zukunft hineinreichen.

Erster Beitrag: Die Reliquie des heiligen Matthias in der Kirche St. Helena

Andreas Hahne