AUSZEIT_Entspannung und Erholung durch eine Reduzierung auf das Wesentliche

Burnout, Time out – ausgebrannt sein und Auszeit sind inzwischen geläufige Synonyme für Überforderung und Bewältigungsstrategien im (beruflichen) Alltag. Sie spielen an auf die Verdichtung von Arbeit und Aufgaben, die im digitalen Zeitalter noch einmal besonders zugelegt haben.

Nicht umsonst bieten viele Klöster Einkehrtage, Neuorientierung in Form des „Klosters auf Zeit“ und zunehmend auch Wellness-Angebote. Wer zu letzteren tendiert, findet seine Entspannung eigentlich in jedem Hotel mit Spa-Angeboten. Das „Kloster auf Zeit“ hingegen setzt auf geistliche Impulse, die nicht nur den Kopf frei machen, sondern auch dem Wohlbefinden des Körpers guttun. Dabei spielt die STILLE eine besondere Rolle. Sie ist nicht nur Abwesenheit von Lärm. Raphael Hombuch drückt es so aus: Die Stille ist der Raum des Wortes. Wo die Stille fehlt, ist für das Wort kein Raum.

Das Kloster bietet vielfältige Möglichkeiten, Stille wohltuend zu erfahren: In der stillen Anbetung, der täglichen Eucharistiefeier, aber auch beim Chorgebet – der Laudes am frühen Morgen, der Mittagshore und der abendlichen Vesper – beim Betrachten von Bildimpulsen in der Gästekapelle und sogar im Speiseraum der Stille, wo die Speisen schweigend verkostet werden.

Lässt man sich mehrere Tage darauf ein, spürt man schnell die Auswirkungen von Entschleunigung und Wohlbefinden. Die Hektik und der Lärm des Alltags sind in weite Ferne gerückt wie auf dem Bild, das symbolhaft das Rheintal mit seinen Städten und dem regen Auto-, Bahn- und Schiffsverkehr nur noch schemenhaft vom Klostergelände aus erahnen lässt.

Es ist auch die Stabilitas loci – die Beständigkeit des Ortes, die das Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit im klösterlichen Leben vermittelt. Diese Beständigkeit begegnet uns vor allem in den Ordensklöstern benediktinischer Prägung (Benediktiner, Zisterzienser, Trappisten und Prämonstratenser) und wird als dauerhafte Bindung an ein bestimmtes Kloster bereits in der Profess gelobt.

Die Beständigkeit des Ortes und des Tagesablaufs sowie der Reizentzug und die Reduzierung auf das Wesentliche sind gute Voraussetzungen, gestärkt in den Alltag zurückzukehren.

Muss ich mich dazu in ein Kloster begeben? Wichtige Elemente klösterlichen Lebens finde ich in jeder Eucharistiefeier. Ablauf und Inhalt der Feier sowie die Beständigkeit des Ortes geben mir Vertrautheit und Geborgenheit, die Stille und Kontemplation entlassen mich nach jedem Gottesdienst mit neuen Impulsen in den Alltag.


Text und Fotos: Christoph Reiners

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