Liturgische Gewänder für Laiinnen und Laien

Nicht nur Priester und Messdienerinnen tragen im Gottesdienst besondere Gewänder. Auch Laiinnen und Laien können ein liturgisches Gewand anlegen, wenn sie Wort-Gottes-Feiern leiten. Allerdings sind diese Gewänder kein „Muss“. Warum es dennoch sinnvoll ist, sie zu tragen, sollen drei Beispiele verdeutlichen.

Gedenkgottesdienst im Seniorenheim

Im Mehrzweckraum des Seniorenheims, der auch als Kapelle dient, geht es laut und trubelig zu: Angehörige, die zur Gedenkfeier für ihre Verstorbenen kommen, die zuletzt im Haus gelebt haben, begrüßen sich, tauschen Neuigkeiten aus, suchen die Garderobe, rücken Stühle. Der Haustechniker und die Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes warten, bis ich mein Gewand angelegt habe. Dann erklingt auf mein Kopfnicken hin Musik zum Einzug. Die Gespräche verstummen, Besucherinnen und Heimbewohner gehen auf ihre Plätze. Auch kirchenferne oder an Demenz erkrankte Menschen erkennen sofort, dass mit dem Einzug der „Gewandträgerin“ der Gottesdienst beginnt und dass sie ihn leiten wird.

Beerdigungsdienst

Krambroeckers IMAG0138 960px
Jürgen Krambröckers ist in der Pfarre Remigius im Beerdigungsdienst und als Wortgottesdienstleiter tätig. Hier trägt er sein liturgisches Gewand.
Foto: Susanne Mengen

Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Beerdigungsdienstes tritt in der Friedhofskapelle vor die Trauergemeinde. Bei einigen Angehörigen ist der Schmerz groß; etliche andere waren schon lange nicht mehr in einem Gottesdienst. Doch auch sie können sich darauf verlassen, dass der Mann (oder die Frau) im Gewand sie ruhig und sicher durch die Abschiedsfeier führen wird und weiß, was zu tun ist. In der Ausnahmesituation, in der die Trauernden sich befinden, schafft das Halt. Aber auch für die Gottesdienstleitenden selbst ist das Gewand hier von Nutzen, denn es hilft, in der Rolle zu bleiben und sich von Schmerz und Trauer nicht allzu sehr anstecken zu lassen.

Ökumenischer Abschlussgottesdienst an einer Schule

Die Sommerferien nahen, Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern treffen sich zum Gottesdienst. Die evangelische Pfarrerin trägt dazu ihren schwarzen Talar, der quasi ihr Alleinstellungsmerkmal ist. Ihr Kollege dagegen, der Gemeindereferent, ist an seinem Gewand klar als katholischer Teil des „christlichen Tandems“ zu erkennen. Auch hier schafft das Gewand – ähnlich wie eine Uniform - unübersehbar Sicherheit über Rolle und Funktion derjenigen, die im Gottesdienst ganz vorn stehen. Selbstverständlich könnten Pfarrerin und Gemeindereferent auch in Zivil Gottesdienst feiern. Ihre Zuständigkeit wäre aber nicht so deutlich erkennbar, zumal viele Lehrerinnen oder Schüler keinen engen Kontakt mehr zur Kirche haben.

Vom lebenspraktischen Charme des Gewandes

Neben der Funktion als Erkennungszeichen hat das Gewand für Laiinnen und Laien noch einen weiteren Vorteil: Da es über der Zivilkleidung getragen wird, deckt es „kleine Sünden“ zu. Der letzte Schluck Kaffee ist auf der Hemdbrust gelandet, oder die Hose hat ein gemeines kleines Loch, das jetzt erst ins Auge sticht, und es ist keine Zeit, um nach Hause zu fahren und sich umzuziehen? Solch ein Malheur verhüllt das Gewand, wenn es darauf ankommt, nämlich während des Gottesdienstes oder der Beisetzung. Außerdem hält es im Winter recht warm, während es im Sommer leichte Bekleidung „drunter“ erlaubt und gleichzeitig ein angemessenes Erscheinungsbild gewährleistet. Und das hat – trotz der Tatsache, dass das unfallfreie Gehen und Treppensteigen in knöchellanger Albe erst einmal geübt werden will – wirklich viel für sich!


Text: Claudia Thivessen

 

Drucken