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Lesung in einem Gottesdienst. Foto: iStock.com/24K-Production

Welche Dienste gibt es in der Messe?

"Machen Sie heute die Messe?", lautet manchmal die Frage, wenn ich vor einem Gottesdienst die Kirche betrete. Die Aussage ist unverfänglich gemeint, löst bei mir aus zwei Gründen eine Irritation aus: Zum einen, weil eine Messe wie jede liturgische Feier nichts ist, was man produzieren kann, andererseits weil ich als Priester zwar die Messfeier leite, es daneben aber zahlreiche weitere Dienste gibt, die für einen stimmigen und würdigen Gottesdienst nicht unterschätzt werden dürfen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat hier den Begriff der "participatio actuosa" geprägt, der in etwa mit "tätiger Teilnahme" übersetzt werden kann. Die ganze Gemeinde (die sich nicht als Gottesdienst-"Besucher" missverstehen sollte), bringt sich also in die Feier ein. Dabei gibt es zahlreiche besondere Aufgaben.

Richtig ist: Ohne einen Priester kann keine Messe gefeiert werden, weil er innerhalb der Feier Christus als Haupt repräsentiert, der zusammen mit der Gemeinde den Leib bildet. Er ist der Vorsteher des Gottesdienstes und spricht stellvertretend für die Gemeinde bestimmte Gebete, beispielsweise das Tagesgebet sowie insbesondere das Hochgebet. Welche Aufgaben oder Rollen gibt es darüber hinaus noch?

  • Die Lektor:innen tragen die Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament vor, mit Ausnahme des Evangeliums. Sie verkünden damit das "Wort des lebendigen Gottes", wie es am Ende der Lesung heißt. Häufig tragen sie darüberhinaus die Fürbitten vor, die auch als Allgemeines Gebet der Gläubigen bezeichnet werden.
  • Der Psalmist trägt nach der ersten Lesung den Antwortpsalm vor, also einen Text aus einem bestimmten Buch des Alten Testaments. Dieser Text, der also auch eine biblische Lesung ist, wird oft gesungen, die Gemeinde antwortet dann meist mit einem kurzen wiederkehrenden Liedruf. Möglich ist aber auch, dass die Gemeinde und der Psalmist sich beim Vortragen der Verse abwechseln.
  • Kantor:in, Chor oder Schola übernehmen bestimmte Gesänge im Gottesdienst oder unterstützen die Gemeinde beim Gesang. Es gibt feste Orte für Gesänge im Gottesdienst, die entweder Handlungen begleiten, beispielsweise zum Einzug oder zur Gabenbereitung, oder die selbst die eigentliche Handlung sind, etwa das Gloria oder das Sanctus.
  • Der Organist und andere Musiker:innen begleiten den Gemeindegesang oder unterstützen Handlungen ohne Worte, beispielsweise wenn mit dem Weihrauch der Altar, der Priester und die Gemeinde inzensiert werden.
  • Der Diakon hat genau wie ein Priester die Weihe empfangen und verkündet in der Messe das Evangelium. Darüber hinaus assistiert er in der Eucharistiefeier am Altar und bildet so etwas wie die Schnittstelle zwischen dem Priester als Vorsteher des Gottesdienstes und der Gemeinde.
  • Die Kommunionhelfer unterstützen bei der Austeilung des Leibes Christi an die Gemeinde. Ein offizieller kirchlicher Dienst, der eine ähnliche Aufgabe übernimmt, ist der Akolyth. Männer und Frauen können dauerhaft dazu beauftragt werden, beispielsweise auch, um erkrankten Menschen die Kommunion nach Hause zu bringen.
  • Messdiener:innen übernehmen unterschiedliche Aufgaben im Gottesdienst. So tragen sie das Kreuz, das Weihrauchfass und die Leuchter beim Einzug oder bringen stellvertretend für die Gemeinde die Gaben zum Altar.
  • Im Messbuch finden sich noch weitere Dienste außerhalb des Altarraums: Die Sprecherin, die Gläubigen Erklärungen und Hinweise gibt, was wohl eher für große Messen, etwa auf dem Petersplatz von Bedeutung ist; Personen, die die Gläubigen am Kircheneingang empfangen; Gemeindeglieder, die während der Gabenbereitung Spenden einsammeln.

In der Praxis werden natürlich viele der Aufgaben von denselben Personen übernommen. Dennoch ist es hilfreich, sich einmal bewusst zu machen, welche unterschiedlichen Aufgaben an einer Messfeier beteiligt sind. Weitet man den Blick auf andere liturgische Feiern wie Wortgottesdienste oder die Stundenliturgie, ergeben sich noch weitere Aufgabenbereiche.

Es lohnt sich, über die Gestaltung des Gottesdienstes und die Ausprägung seiner Dienste immer wieder nachzudenken. Nützliche Anregungen dazu finden sich beispielsweise in dem Buch vom Liturgiewissenschaftler Liborius Lumma mit dem Titel "Wer macht was im Gottesdienst? Die handelnden Personen und ihre Aufgaben".

Andreas Hahne