Ein mathematischer Sternenköper mit einem Rhombenkuboktaeder als Grundkörper, dessen Oberfläche aus 26 Flächen besteht, die aus 18 Quadraten und acht gleichseitigen Dreiecken gebildet wird, an dem jeweils pyramidenförmige Zacken mit entsprechend quadratischer und dreieckiger Grundfläche ansetzten – das ist klingt eher nach Mathematik als nach Weihnachten. Aber wenn die achtzehnte quadratische Spitze an der Oberseite wegelassen wird und stattdessen eine Aufhängung und Beleuchtung eingebaut wird, ist es ein in der Advents- und Weihnachtszeit sehr beliebter Schmuckstern – der Herrnhuter Stern.
Der Herrnhuter Stern hat seinen Ursprung und seinen Namen von der Herrnhuter Brüdergemeinde und symbolisiert den Stern über Bethlehem.
In Herrnhut in der Oberlausitz hatten Glaubensflüchtlinge aus Böhmen und Mähren Zuflucht gefunden und gründeten dort 1727 die Erneuerten Brüder-Unität um ein neues christliches Gemeindewesen zu etablieren. Später begannen sie mit ihrer Missionstätigkeit und gründeten Knaben- und Mädchenanstalten, in denen die ersten Herrnhuter Sterne entstanden. Zum fünfzigsten Jahrestag der Unitätsknabenanstalt hing 1821 im Hof ein beleuchteter Stern mit 110 Zacken. Diese Sterne von Bethlehem passten auch in die schlichten Säle der Brüdergemeinden. Die ersten Sterne waren in weiß und rot gearbeitet. Weiß für die Reinheit, Rot für das Blut von Jesus Christus.
Der Geschäftsmann Pieter Hendrik Verbeek erfand 1897 das erste zerlegbare Modell aus Papier, das auch verschickt werden konnte. Er schloss einen Vertrag mit der Brüder Unität und produzierte und vertrieb den Original Herrnhuter Stern. In der DDR wurde der Betrieb kurzfristig verstaatlicht. Seit der Zeit nach der Wende werden Original Herrnhuter Sterne von der Herrnhuter Sterne GmbH produziert. Im Jahr 2021 waren es 780 000 Stück.
Herrnhuter Sterne schmücken nicht nur protestantische Kirchen, ein Exemplar ziert auch das Bundeskanzleramt in Berlin.
Susanne Mengen