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Einweihung der von Pfarrer Lennartz (rechts) gespendeten Glocke. Foto: Pfarrarchiv/Ewers

Die Glocken der Kirche St. Peter in Viersen-Bockert

Seit Jahrhunderten prägen Glocken das Leben der Menschen. Sie rufen zum Gottesdienst, begleiten in Freud und Leid, verkünden Festtage und Mahnungen. Jede Glocke hat dabei ihre eigene Geschichte, ihre eigene Klangfarbe und oft auch eine eigene Widmung. In einer neuen Artikelserie stellen wir die Glocken der Kirchen unserer Pfarrgemeinde vor. Wir erzählen von ihrer Herkunft, ihren Namen, ihren Inschriften und ihrem Klang. So entsteht ein klingendes Mosaik, das zeigt, wie reich und vielfältig unser kirchliches Erbe ist. Den Auftakt machen wir mit den Glocken der Kirche St. Peter in Bockert, weitere Beiträge erscheinen in loser Folge.

Die Pfarrkirche St. Peter in Viersen-Bockert entstand Ende des 19. Jahrhunderts in einer Zeit, in der das Rheinland durch Industrialisierung, wachsende Städte und katholische Erneuerungsbewegungen geprägt war. Die rasch wachsende Bevölkerung des damals noch ländlich geprägten Bockert führte 1894 zur Grundsteinlegung einer neuen Kirche. Schon ein Jahr später, 1895, wurde sie eingeweiht. Das neugotische Bauwerk mit seinem markanten 52 m hohen Turm sollte von Anfang an auch durch ein festliches Glockengeläut den Glauben akustisch in die Landschaft hinaustragen.

Die ersten Glocken (1895)

Noch im Jahr der Kirchweihe erhielt St. Peter drei Bronzeglocken von der renommierten Glockengießerei Otto in Hemelingen/Bremen. Sie waren auf die Schlagtöne d′ – e′ – fis′ gestimmt, eine klassische Dreier-Disposition, die für viele neugotische Kirchen der Zeit typisch war. Die Glocken übernahmen von Beginn an zentrale Funktionen: Sie riefen nicht nur zum Gottesdienst, sondern begleiteten auch Hochzeiten, Trauerfeiern und die alltägliche Lebensrhythmik der Gemeinde.

Kriegsverluste

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts ereilte die St. Peter-Glocken ein Schicksal, das unzählige Kirchen in Deutschland teilen. Während der Metallmobilisierungen des Ersten Weltkriegs wurden viele Bronzeglocken als „kriegswichtiges Material“ eingezogen und eingeschmolzen, um daraus Waffen und Munition herzustellen. Auch in St. Peter mussten die beiden größeren Glocken (d′ und e′) abgegeben werden. Nur die kleinste, die Josefsglocke (fis′), überdauerte diese Zeit.

Im Zweiten Weltkrieg wiederholte sich dieses Drama vielerorts – die Glocken von St. Peter waren zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits dezimiert, sodass keine weiteren Verluste mehr hinzukamen.

Wiederaufbau und neue Glocken

Nach den Weltkriegen wuchs in vielen Gemeinden der Wunsch, die zerstörten oder verlorenen Glockengeläute wiederherzustellen. Für St. Peter war dies ein wichtiger Akt der Selbstvergewisserung und des Aufbruchs. In den 1960er-Jahren erhielt die Kirche von der traditionsreichen Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock (Gescher, Münsterland) neue Glocken. Damit konnte das Geläut wieder zu einem volltönenden Ensemble ergänzt werden. Heute erklingen vier Glocken in den Tönen cis′ – e′ – fis′ – gis′ und bilden ein harmonisches Vollgeläut.

 

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Foto: Pfarrarchiv

 

Die heutige Glockenfamilie

  • Petrusglocke (cis′-2, 1961)
    Größte Glocke, rund 1,8 t schwer. Widmet sich dem Kirchenpatron Petrus. Inschrift: „PETRUS HEISSE ICH, MEINE GEMEINDE RUFE ICH, IHR GLAUBE WANKE NICHT“.
  • Josefsglocke (fis′, 1895)
    Einzig erhaltene Originalglocke der Otto-Gießerei. Inschrift: „Requiem, Intr. Missa Pro Defunctis“. (diese Inschrift deutet darauf hin, das mit der Glocke zu Ehren der Verstorbenen ein Totengottesdienst gefeiert wird oder wurde, die Glocke kann anlässlich einer Beerdigung, zu Allerseelen oder zum Jahrestag des Todes geläutet werden)
  • Johannesglocke / Jubiläumsglocke (e′-2, 1998)
    Gestiftet zum 60-jährigen Priesterjubiläum von Pfarrer Lennartz. Botschaft: „Die Liebe zu Gott und Mitmenschen erkalte nie in euren Herzen“.
  • Marienglocke (gis′, 1961)
    Gewidmet der Gottesmutter Maria, trägt die Inschrift „Königin des Friedens“.

Klang und Bedeutung

Das Geläut von St. Peter ist nicht nur ein musikalisches Ensemble, sondern ein geschichtliches Klangdenkmal. Jede Glocke erzählt von einer Epoche:

  • Die Josefsglocke erinnert an die Gründerzeit des Bockerts.
  • Die Nachkriegsglocken spiegeln den Aufbruch und das Ringen um Frieden nach Zeiten der Zerstörung.
  • Die Jubiläumsglocke bringt die persönliche Glaubensgeschichte eines Seelsorgers in den Gesamtklang ein.

Beim Vollgeläut entstehen so nicht nur musikalische Intervalle, sondern auch ein Dialog der Geschichte: von 1895 bis in die Gegenwart.

Läuteordnung: Vollgeläut an allen Hochfesten, Sonntagen und an Samstagen 18.00 Uhr.

Symbolik für Gemeinde und Region

Am Niederrhein, wo sich katholische Tradition und niederrheinische Identität über Jahrhunderte verwoben haben, sind Glocken ein fester Bestandteil der Alltagskultur. Sie strukturieren den Tag, begleiten Lebensstationen und verkünden an hohen Festtagen Freude und Feierlichkeit. Für die Gemeinde St. Peter sind die Glocken deshalb weit mehr als Klangkörper – sie sind Gedächtnisspeicher, Friedensboten und ein Zeichen der Beständigkeit in wechselvollen Zeiten.


Recherche: Reinhold Hörkens
Text: Daniela Knittel
Quellen: Pfarrarchiv, Internet, Wikipedia