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Foto: KI generiert

Zwischen Bier und Bibel…

... so titelte ein ZdF-Heute-Bericht den Versuch, die Frage zu klären, wie Himmelfahrt und Vatertag zusammenhängen. Ich versuche es auch einmal: 40 Tage nach Ostern. Es ist Donnerstag. Die Christen feiern diesen Tag als den Tag, an dem Christus zu seinem Vater im Himmel zurückkehrt. Mehr davon erfahren wir im Lukasevangelium: Nachdem Jesus gestorben und auferstanden war, zeigte er sich den Jüngern 40 Tage lang, um anschließend zu seinem Vater zu gehen. „Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.“ Der Himmel ist in der Bibel kein Ort dort oben, sondern der Platz, an dem Gott ist.

Himmelfahrt ist also eine Vater-Sohn-Geschichte. Eine Vatertags-Geschichte.

40 Tage nach Ostern. Es ist Donnerstag. Gesetzlicher, also für die meisten ein arbeitsfreier Tag. Schon früh am Morgen versammeln sich junge und mittelalte Männer (keine Frauen, um das deutlich zu betonen), ausgestattet mit vollbeladenen Bollerwagen. Einiges zum Essen steckt in den Bollerwagen, vor allem aber alkoholische Kalorien. Von ihrem Treffpunkt aus machen sich die Männer, reale oder potenzielle, aber auch gar nicht Väter, auf einen Wanderausflug, dessen einziges Ziel ein Trinkgelage zu sein scheint. Da ich als Frau von dieser Veranstaltung ausgeschlossen bin (nicht, dass ich Wert auf eine Teilnahme legen würde), kann ich über den Verlauf der Aktion mit Namen „Vatertag“ nur mutmaßen (und das Internet befragen). Sollten die männlichen Leser dieses Artikels anderer Ansicht über das sein, was folgt, mögen Sie mir vergeben und mich freundlich korrigieren.

40 Tage nach Ostern. Es ist Donnerstag. Christi Himmelfahrt. Ein wichtiges Fest. Aufnahme in den Himmel – schwer zu begreifen. Begegnung mit dem Vater – schon leichter zu erfassen und zu erfühlen. Steckt hier die Verbindung zum Vatertag? Während der Muttertag (auch nicht so einfach zu erklären, aber zu 100 Prozent weltlich basiert) vom Ursprung her das Ziel hat, die Aufgaben der Mütter zu ehren und zu würdigen, scheint es beim heutigen Ablauf eines landläufigen Vatertags ausschließlich um das Feiern zu gehen. Oder gibt es andere Ursprünge? *

Das Gehen an den Tagen VOR Christi Himmelfahrt hat eine lange Tradition: Schon im frühen Mittelalter wurden Bittprozessionen veranstaltet, um eine gute Ernte und Schutz vor den Folgen von Naturkatastrophen zu beten. Bald aber ging der religiöse Hintergrund des Wanders verloren. Die alkoholgetränkten Herren- oder Schinkentouren kamen in Mode. Die Männer feiern sich selbst. Achtung Gefahr: Laut dem Statistischen Bundesamt geschehen am Vatertag mehr Unfälle unter Alkoholeinfluss als an anderen Tagen, dicht gefolgt im Unfallaufkommen am Neujahrstag.

In diesem Sinne: Schönes Feiern, aber mit Vorsicht!

*Die Recherche ergab, dass der Vatertag doch etwas mit der Ehrung eines Vaters zu tun haben und genau wie der Muttertag aus Amerika stammen könnte. Zum ersten Mal soll er 1910 begangen worden sein, seit 1972 wird er regelmäßig, allerdings am dritten Sonntag im Juni, gefeiert. Sonora Smart Dodd aus Spokane im Bundesstaat Washington wollte mit diesem Tag ihren Vater ehren, der nach dem frühen Tod der Mutter sechs Kinder allein großzog.

Sigrid Blomen-Radermacher