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Zuhören und miteinander sprechen – die Grundlage für die Arbeit von Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten. Foto: iStock.com/Rawpixel

Gemeindereferent*in: Die Menschen im Blick

Die Job-Beschreibung ist kurz: Zentrale Aufgabe von Gemeindereferenten ist die seelsorgliche Begleitung der Gemeinde, gemeinsam mit Priestern und Diakonen. Sie bereiten Kinder und Jugendliche auf Taufe,  Erstkommunion und Firmung vor, geben Religionsunterricht und sind für die unterschiedlichen Gremien und Gruppen in den Gemeinden ansprechbar. So nachzulesen in der von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Broschüre "Katholische Kirche in Deutschland: Zahlen und Fakten 2025/26". Was bewegt Menschen, diesen besonderen Beruf zu ergreifen und wie verläuft ihre Ausbildung. Nadine Mihm, neue Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Viersen, gibt Einblick, was sie motiviert hat und wie die Ausbildung abläuft:

Warum entscheidet sich ein Mensch heute dafür, Gemeindereferent*in zu werden?  In einer Zeit, in der sich Kirche stark verändert, Gemeinden kleiner werden und viele Menschen mit Kirche und Glauben nur noch wenig anfangen können, ist diese Frage durchaus berechtigt. Auch ich wurde in den vergangenen Jahren sehr oft gefragt: „Wie kannst du Dich denn heute noch für einen Job in der Kirche entscheiden?“ Und ehrlich, ich kann diese Entscheidung guten Gewissens treffen. Denn ich bin überzeugt: Nur wenn ich selbst die Chance habe, mitzugestalten, kann ich etwas bewirken und vielleicht auch manches von dem verändern, wofür Kirche heute zu Recht in der Kritik steht. Und vielleicht liegt gerade darin eine der spannendsten Seiten dieses Berufes.

Gemeindereferentin zu werden, war für mich nicht einfach die Entscheidung für einen Arbeitsplatz. Auch wenn für mich der erste Anstoß dazu von anderen kam, bin ich heute sehr dankbar, dass ich mich auf diesen Weg eingelassen habe. Denn für mich ist es längst nicht mehr einfach nur eine Entscheidung für einen Beruf. Ich habe gemerkt, wie sehr mich die Begegnung mit Menschen bewegt und wie wichtig es mir ist, ihnen zuzuhören und ein Stück ihres Weges mitzugehen.

Oft sind es gerade die kleinen Momente, die Mut machen und etwas verändern können: ein gutes Gespräch, ein offenes Ohr oder einfach das Gefühl, dass jemand da ist. Ich möchte Menschen Hoffnung und Zuversicht mitgeben und ihnen sagen: Du bist nicht allein. Dein Weg ist wichtig.

Ein etwas anderer Weg in den Beruf

Mein Weg zur Gemeindereferentin führte nicht über ein klassisches Theologiestudium an einer Universität. Ich habe Theologie im Fernkurs studiert und mir dabei theologisches Wissen weitgehend selbstständig und berufsbegleitend erarbeitet. Das verlangte Eigeninitiative und Disziplin, eröffnete mir aber gleichzeitig die Möglichkeit, mich intensiv mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen. Parallel dazu war ich im Bewerberkreis des Bistums Aachen. In dieser Zeit konnte ich mich noch einmal intensiver mit der Frage beschäftigen, ob der pastorale Beruf wirklich mein Weg sein sollte.

Theologie zu studieren bedeutet dabei weit mehr, als Bibeltexte zu lesen oder kirchliche Traditionen kennenzulernen. Es geht um Fragen, die mitten ins Leben führen: Was trägt uns? Was bedeutet Glaube heute? Wie können wir von Gott sprechen? Und wie kann Kirche Menschen mit ihren Fragen und ihrer Lebenswirklichkeit erreichen und begleiten?

Nach dem Studium beginnt die zweijährige praktische Ausbildung als Assistent*in in einem Pastoralen Raum. Zusätzlich zum Arbeiten und vor Ort findet gemeinsam mit anderen Assistent*innen der Pastoralkurs des Bistums Aachen statt. In zahlreichen Studienwochen bereiten wir uns intensiv auf unseren späteren Dienst vor. Dabei geht es nicht nur um theologisches und religionspädagogisches Wissen, sondern auch um konkrete pastorale Fragen, die eigene Persönlichkeit, den persönlichen Glauben und die Entwicklung der eigenen Rolle als zukünftige Gemeindereferentin. 

In der Assistenzzeit konnte ich unterschiedliche Arbeitsbereiche kennenlernen, Verantwortung übernehmen, eigene Erfahrungen sammeln und gleichzeitig von erfahrenen Kolleg*innen lernen. Ich habe dabei nicht nur gelernt, Gottesdienste vorzubereiten, Projekte zu planen, Gruppen und Gremien zu begleiten oder religionspädagogisch zu arbeiten. Vor allem habe ich gelernt, genauer hinzuschauen: Was brauchen Menschen? Was kann ich beitragen? Und wann ist es vielleicht am wichtigsten, einfach da zu sein und zuzuhören?

Gerade die Verbindung von Studium, Praxis und persönlicher Entwicklung macht den Ausbildungsweg für mich besonders. Das Gelernte kann unmittelbar ausprobiert, reflektiert und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig wächst die eigene pastorale Haltung und damit auch die Frage: Wie möchte ich Kirche mitgestalten?

Mehr als ein Abschluss

Und dann kommt ein Punkt, der den Beruf Gemeindereferent*in besonders macht: Am Ende der Ausbildung steht nicht einfach nur ein Abschluss. Es gibt eine Beauftragung durch den Bischof. Das macht deutlich, dass dieser Beruf in der katholischen Kirche eine besondere Dimension hat. Gemeindereferent*innen arbeiten nicht einfach nur für eine Kirchengemeinde. Sie werden für ihren pastoralen Dienst beauftragt.

Die Beauftragung ist deshalb mehr als eine formale Feier zum Ende der Ausbildung. Sie macht sichtbar, dass mit diesem Beruf ein konkreter Dienst in der Kirche verbunden ist: Gemeindereferent*innen werden vom Bistum für ihren pastoralen Dienst gesendet und übernehmen damit Verantwortung.

Bei vielen Berufen endet die Ausbildung mit einem Abschluss, danach beginnt der berufliche Alltag. Im pastoralen Dienst stellt sich darüber hinaus die Frage: Wofür und für wen setze ich meine Fähigkeiten und mein Wissen ein? Die eigene fachliche und persönliche Entwicklung soll schließlich nicht nur dem eigenen beruflichen Weg dienen, sondern den Menschen und der Kirche zugutekommen.

Und so werde ich am 11. September 2026 gemeinsam mit meinem Pastoralkurs im Aachener Dom durch Bischof Helmut Dieser für den pastoralen Dienst beauftragt. Damit wird ein Weg, der mit dem Studium und der praktischen Ausbildung begonnen hat, auf besondere Weise sichtbar und zugleich zu einem neuen Anfang.

Warum also Gemeindereferent*in?

Kirche verändert sich. Menschen leben ihren Glauben anders, suchen neue Zugänge und bringen unterschiedliche Lebensgeschichten mit. Das fordert uns heraus, Kirche neu zu denken und neue Wege zu gehen.

Genau darin sehe ich meine Aufgabe: Menschen zuzuhören, sie zu begleiten und gemeinsam mit ihnen nach Spuren Gottes in ihrem Leben zu suchen. Nicht immer mit fertigen Antworten, aber mit der Bereitschaft, Fragen auszuhalten und sich gemeinsam auf den Weg zu machen.

Ein Leitgedanke aus dem Buch Josua begleitet mich seit Beginn meiner Ausbildung: „Sei mutig und stark.“ Dieser Zuspruch passt für mich genau zu dem, was es bedeutet, sich heute für einen pastoralen Beruf zu entscheiden. Es braucht Mut, neue Wege zu gehen, Dinge auszuprobieren und Kirche mitzugestalten. Und es braucht Stärke, den eigenen Überzeugungen treu zu bleiben und dabei immer wieder die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. 

Die Beauftragung ist für mich deshalb mehr als das Ende einer Ausbildung. Sie ist der Beginn eines Weges, den ich mit Mut, Zuversicht und Vertrauen gehen möchte.