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Adventskalender – eine gar nicht so alte Tradition. Bildliche und oft süße Darstellung der Zeitachse

Ab September tauchen sie an allen Ecken und Enden in den Geschäften auf: die Adventskalender. Befüllt mit Spielzeug, Schokolade, Büchern, Tee, als Buch mit Rätseln, mit Sprüchen und Gedanken für jeden Tag, gerne auch liebevoll selbstgebastelt und in vielen anderen Formen begleiten uns diese Kalender mal mehr, mal weniger besinnlich durch den Advent und steigern die Vorfreude auf Weihnachten. Die kalendarischen Adventskalender umfassen den Zeitraum vom ersten bis zum vierundzwanzigsten Dezember. Kalender, die sich am liturgischen Jahr orientieren, wie zum Beispiel „Der andere Advent“, beginnen am ersten Adventssonntag und enden mit dem Dreikönigstag am 6. Januar. Adventskalender gehören für die meisten genauso zum Advent und Weihnachten wie der Tannenbaum und der Weihnachtsschmuck. Allerdings gibt es sie noch gar nicht so lange.

1838 beginnt die Geschichte des Adventskalenders. In einem evangelischen Knabenrettungshaus in Hamburg wollte der Leiter Heinrich Wichern den Kindern die Zeit bis Weihnachten bildlich darstellen. Er nahm ein altes Wagenrad und einen Holzkranz und stecke 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen darauf. Bei den täglichen Andachten durfte ein Kind eine Kerze zum gemeinsamen Adventsliedersingen anzünden. An den Adventssonntagen wurden die großen weißen Kerzen entzündet.

In der katholischen Kirche wurden tägliche Adventsandachten in der Kirche gehalten, bei den Protestanten gab es tägliche Zusammenkünfte der Familie, bei denen Bibelstellen gelesen wurden und Adventslieder gesungen wurden. Um den Kindern die Zeit bis Heiligabend begreifbar zu machen, entwickelten sich in beiden Konfessionen viele Methoden, den verbleibenden Zeitraum darzustellen.

Manchen Familien hängten nach und nach 24 Bilder mit weihnachtlichen Motiven auf oder malten Kreidestrichen an die Tür, kleine für die Wochentage, große für die Sonntage, die die Kinder Tag für Tag wegwischen durften. Es gab auch kleine Adventsbäumchen aus Holz, auf die jeden Tag eine Fahne oder ein Stern mit einem Bibelvers gestellt und zusätzlich eine Kerze entzündet wurde. Das zunehmende Licht stellte die bevorstehende Ankunft Jesus Christus als Licht der Welt dar.

In manchen Klosterschulen gibt es bis heute noch die Tradition, das jeden Tag ein Strohhalm in die Krippe gelegt wird, damit das Jesuskind weich liegt. Und aus Österreich kommt die „Himmelsleiter“: dabei wird ein Christkind jeden Tag eine Stufe abwärts gestellt und stellt die Ankunft Christi zu Weihnachten auf der Erde dar.

Im skandinavischen Raum gab es Adventskerzen, die in 24 Abschnitte unterteilt waren und jeden Tag ein Stück abgebrannt wurden, und Ende der 19. Jahrhunderts gab es vermehrt Weihnachtsuhren mit 24 Abschnitten mit Liedtexten und Bildern, bei denen der Zeiger jeden Tag weitergedreht wurde.

1902 druckte die evangelische Buchhandlung Trümper in Hamburg eine Weihnachtsuhr mit den Zahlen von 1 – 13, ab 1922 mit 24 Feldern. Dieser erste gedruckte Adventskalender wurde für 50 Pfennige verkauft. Kurz darauf folgte der Münchner Verlag Gerhard Lang mit 24 Bildern zum Ausschneiden und Aufkleben. Daraus entwickelte sich auch die besonders beliebte Version mit aufklappbaren Fenstern, hinter denen Bilder zu sehen waren, die es auch heute noch gibt.

Während des Nationalsozialismus wurde mit dem Kriegsausbruch das Papier kontingentiert und es gab ein Verbot der christlichen Presse und des Drucks von „kriegsunwichtigen“ Bildkalendern. Da die Adventskalender aber weiterhin sehr beliebt waren, versuchte die Reichspropagandaleitung die Adventszeit mit einem Kalenderheft „Vorweihnachten“ mit nationalsozialistischen Inhalten umzudeuten.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus kam die Sehnsucht nach den christlichen Werten und alten Traditionen zurück, und schon zu Weihnachten 1945 wurden wieder die ersten Adventkalender gedruckt. Damit begann der weltweite Durchbruch des Adventskalenders. Er wurde schnell auch in den USA und Großbritannien heimisch.

In den 1950er Jahren war der Adventskalender flächendeckend verbreitet und zur günstigen Massenware geworden. Und 1958 erschien dann der erste Schokoladenadventskalender, der auch heute noch neben den vielen anderen Formen von Adventskalendern zu den häufigsten Kalendern gehört.

In allen Formen bereitet der Adventkalender Freude und zeigt die Besonderheit der Vorbereitungszeit auf Weihnachten.

Wir wünschen ein besinnliche Adventzeit

Text: Susanne Mengen
(mit Informationen aus adventskalender.de)